Die gemachte Metropole

29. Juli 2010 | Von sgundert | Kategorie: Was kommt

Hilke Janssen über den Begriff der Metropole (Foto: ILS)

Hilke Janssen über den Begriff der Metropole (Foto: ILS)

Die „Metropole Ruhr“ ist das Lieblingswort der Macher von Ruhr 2010. Hilke Janssen vom Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund erklärt, warum es nicht möglich ist, das Ruhrgebiet über Nacht zur Metropole zu machen und was in der Region bleibt, wenn das Jahr 2010 zu Ende geht.

Von Sabrina Gundert

Frau Janssen, wie steht es um das Metropolen-Gefühl im Ruhrgebiet?
Janssen: Der Versuch, dieses Gefühl bei den Menschen zu installieren, ist ein politisches Ziel. Was unten ankommt, ist eine andere Sache. Die Politik scheint zu wollen, dass überall Metropolregionen entstehen, auch in ländlichen Gebieten, wie beispielsweise in der Metropolregion Bremen-Oldenburg. Eine Metropole ist aber eine Großstadt – den Begriff muss man kritisch hinterfragen.

Wie weit ist der Metropolen-Begriff denn in der Bevölkerung verbreitet?
Janssen: Der Anstoß zu diesem Begriff wurde mit der Bewerbung um die Kulturhauptstadt ins Rollen gebracht. Überall steht jetzt Metropole drauf. Die Veranstalter wollen, dass der Begriff mehr verwendet wird. Ich merke aber, dass ich selbst oder auch Kollegen immer noch vom Ruhrgebiet sprechen. Darunter kann man sich eher etwas vorstellen. Wenn ich jemandem aus München von der Metropole Ruhr erzähle, fragt der: Wo ist das denn?
Welche Auswirkungen hat denn der Status Kulturhauptstadt auf das Ruhrgebiet?
Janssen: Die Menschen sollen ins Nachdenken kommen, wie vielschichtig Kultur sein kann. Es gibt Streetart, Hip-Hop und noch viel mehr Veranstaltungen. Dadurch wird deutlich, was es alles in der Region gibt. Meines Erachtens kann das Kulturhauptstadtjahr aber nur ein Anstoß zu einem Prozess der Metropolisierung sein, der aber noch sehr lange dauern wird. Einen solchen Prozess kann man nicht auf ein Jahr raffen.

Gibt es auch Probleme durch den Status Kulturhauptstadt?
Janssen: Das ganze Geld, was in den Kommunen locker zu machen war, wird sicher nächstes Jahr fehlen. Alle denken, jetzt guckt die gesamte EU aufs Ruhrgebiet. Dabei ächzen die Kommunen und die Kulturförderung unter der finanziellen Belastung. Fast jede Kommune hier führt einen Nothaushalt. Jetzt sind viele mit Herzblut dabei, aber wie wird es weitergehen?

Wird sich die Region langfristig verändern?

Janssen: Das muss man abwarten. Bislang gibt es nur gefühlte Ergebnisse. Beispielsweise, dass es ein guter Sommer ist und die Menschen daher auch mehr draußen machen. Vielleicht schauen sie auch öfters ins Kulturprogramm, haben dann Feuer gefangen und gehen auch im kommenden Jahr zu mehr kulturellen Veranstaltungen.

Ein “Wandel durch Kultur” soll sich im Ruhrgebiet zeigen – geht das überhaupt?

Janssen: Klar geht das über Kultur, über weiche Faktoren also. Ob es diesen Wandel gerafft in einem Jahr gibt, da sind wir eher skeptisch. Wie es nächstes Jahr weitergeht, ist ja schon fraglich. Gut wäre es, wenn nicht alle Anstöße aus diesem Jahr Eintagsfliegen wären. Aber dafür müsste langfristig mehr Geld fließen.

Hilke Janssen ist beim Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung (ILS) in Dortmund für Projekte des ILS im Rahmen der Ruhr 2010 zuständig. Ihr Forschungsschwerpunkt ist unter anderem die kooperative Regionalentwicklung.

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