Ein Haus lernt Laufen

28. Juli 2010 | Von chorn | Kategorie: Was kommt

Die Häuser der Zukunft sind beweglich, autark und umweltfreundlich. Könnten so die Wohnungen der globalen Nomaden aussehen? Die dänische Künstlergruppe N55 hat das „Walking House“ entwickelt und präsentiert es bei der Emscherkunst. Im Gelsenkirchener Nordsternpark übt das Haus jeden Tag das Laufen — sehr zum Staunen der Besucher.

Von Charlotte Horn und Katja Köllen

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Ein Video-Interview mit William McKennan, Architektur-Student aus Boston und zurzeit Bewohner des „Walking House“. Den deutschen Wortlaut lesen Sie hier:

Was ist das „Walking House“?

Es ist eine moderne Version der Idee der Nomaden: eine bewegliche Behausung, die nicht auf einen Ort festgelegt ist. Ursprünglich war es eine Reaktion auf die Polizei. Wenn Leute ein Lager in einer Stadt aufschlugen, erwiderte diese, dass man sich nicht einfach irgendwo niederlassen dürfe. Es ist also als eine Art Witz zu verstehen, wenn man sich jetzt langsam durch den öffentlichen Raum bewegen kann. In technischer Hinsicht lässt man sich nirgendwo nieder, also dürfte die Polizei kein Problem damit haben. Bis jetzt waren wir allerdings noch nie in der Stadt, auch wenn es interessant wäre, das einmal auszuprobieren. Wir waren bisher nur auf dem Land und in diesem Park hier.

Das "Walking House" wurde 2008 in Kopenhagen gebaut (Foto: Marc Röhlig)

Das "Walking House" wurde 2008 in Kopenhagen gebaut (Foto: Marc Röhlig)

Ist dies die Lebensweise der Zukunft?

Was die zukünftige Lebensweise angeht, kann ich nicht sagen, dass sie für jeden etwas ist. Es ist ja ein kleiner Raum, aber er hat die Betriebsamkeit eines Hauses. Es ist alles kompakt zusammen.

Woher kommt die Energie, die das Haus zum Laufen bringt?

Wir bekommen sie von Solarzellen auf dem Hausdach. Im Moment gewinnen wir nur ein Viertel daraus, weil wir gerade so viel mit dem Haus laufen. Wenn wir von der Stromversorgung abgeschnitten sind, müssen wir es jeden Tag aufladen. So könnten wir es dann nur einen Tag laufen lassen und dann einen Tag wieder aufladen.

Wie weit kann das Haus denn laufen?

Es läuft einen Meter pro Schritt. Und macht zwei Schritte in der Minute. Das ergibt dann zwischen 60 und 120 Meter pro Stunde. Mit aufgeladener Batterie können wir vier Stunden lang laufen – wenn es nicht zu heiß ist. Sonst überhitzt das Haus. Generell könnten wir bis zu 300 Meter pro Tag laufen, wenn wir uns wirklich schnell bewegen wollten. Wenn man das schnell nennen kann.

Mehr Infos zum “Walking House” gibt es bei der dänischen Künstlergruppe N55.

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