Wir sind die neue Drei

28. Juli 2010 | Von sgundert | Kategorie: Was kommt

Die Fotoausstellung nl.de.tr/turkishconnections in Duisburg-Marxloh porträtiert Menschen mit türkischen Wurzeln, die sich mit mehreren Ländern eng verbunden fühlen. Einer von ihnen ist Mustafa Tazeoglu. Seine Großeltern kommen aus der Türkei, der Großvater war als Bergmann im Ruhrgebiet tätig. Seinen türkischen Hintergrund begreift er als Chance, um transnational zu arbeiten.

Von Sabrina Gundert

Mustafa Tazeoglu sieht seine türkischen Wurzeln als Chance (Foto: Sabrina Gundert)

Mustafa Tazeoglu sieht seine türkischen Wurzeln als Chance (Foto: Sabrina Gundert)

In den Bildern geht es um Transnationalität und wenn man dafür einen Hotspot sucht, dann ist Marxloh einer“, sagt Mustafa Tazeoglu, einer der Marxloher, die für die Ausstellung porträtiert wurden. „Im Mittelpunkt der Ausstellung steht der Alltag der transnationalen Türken. Sie arbeiten weltweit oder zwischen mehreren Ländern, es geht nicht mehr um den Gastarbeiter, der 16 Stunden unter Tage irgendwas kloppt“, erklärt der 27-Jährige.

Der Lebenslauf von Mustafa Tazeoglu ist ein Musterbeispiel für die dritte Generation Türken in Deutschland. Der gebürtige Marxloher hat längere Zeit im Ausland gelebt. Frankreich und die USA waren zwei seiner Zwischenstationen nach dem Französisch- und Volkswirtschaftsstudium im Ruhrgebiet. Heute arbeitet er unter anderem im Medien-Bunker Marxloh und leitet das Projekt Kreativ.Quartiere. Seine Arbeit findet an der deutsch-türkischen Schnittstelle statt.

Mustafa Tazeoglu ist einer der Portraitierten in der Fotoausstellung in Duisburg-Marxloh (Foto: Sabrina Gundert)

Mustafa Tazeoglu ist einer der Portraitierten in der Fotoausstellung in Duisburg-Marxloh (Foto: Sabrina Gundert)

Mustafa Tazeoglu schätzt vor allem die Perspektive, die die Ausstellung auf Türken lenkt: „Die Türkei wird hier wie ein ganz normales, gleichberechtigtes Land dargestellt, statt es in die Sozial-Erneuerungsbedarfs-Schiene zu stecken.“ Seine türkischen Wurzeln sieht er als Chance: „Ich bin nicht Türke und nicht Deutscher. Unsere Generation, wir sind die neue Drei.“ Doch die wenigsten würden soviel Selbstbewusstsein haben, um diesen Mehrwert laut zu deklarieren.

Ausländer dritten Grades

Allerdings bringt das Leben in Deutschland, der andere kulturelle Hintergrund den er als Mehrwert empfindet, auch Probleme mit sich. „Es gibt hier einen klaren Unterschied zwischen Ausländern ersten und dritten Grades“, sagt Tazeoglu. „Der Franzose braucht nicht unbedingt Deutsch zu sprechen, Hauptsache er hat einen schönen Akzent, dann ist er auch in 50 Jahren noch süß. Der Arabertürke muss sich dagegen sofort integrieren, wenn er so einen Akzent hat.

Mustafa Tazeoglu in der Ausstellung nl.de.tr/turkishconnections (Foto: Sabrina Gundert)

Mustafa Tazeoglu in der Ausstellung nl.de.tr/turkishconnections (Foto: Sabrina Gundert)

Doch so sehr die dritte Generation versucht, ihren kulturellen Hintergrund als Chance zu begreifen – der Alltag sieht oft anders aus. Im vergangenen Jahr hat der 27-Jährige eine Wohnung in Mülheim an der Ruhr gesucht. Nähe zu Bahnhof und Wasser, ein Jugendstilhaus sollte es sein. Doch die Absagen kamen meist bereits nach der ersten Mail, spätestens nach der Besichtigung. „Das Einzige, was den Vermietern einfiel, war die Frage, ob ich mit irgendwas Illegalem handle. Da sind meine Sprachkenntnisse, meine Integriertheit egal. Da frage ich mich, was soll ich noch machen? Fakt bleibt, dass ich mir Augen und Haare färben müsste, um wirklich anzukommen.” Immer wieder werde gesagt, Türken sollen sich integrieren. „Aber da frage ich mich, wat soll ich da noch machen, da kann ich auch nichts mehr tun.“

Die Ausstellung ist noch bis zum 31. Oktober 2010 im Kreativquartier Duisburg-Marxloh in der Warbruckstraße gegenüber der Merkez-Moschee zu sehen.

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