Die Ruhr, die Kultur – und wir

21. Juli 2010 | Von admin | Kategorie: Was ist

Einmal im Jahr darf sich eine Stadt “Kulturhauptstadt Europas” nennen. Dass es sich 2010 um eine ganz besondere Sache handelt, merkt man schon daran, dass es drei “Titelträger” gibt (Pécs in Ungarn, Istanbul und Essen) und es sich bei der deutschen Kulturhauptstadt gar nicht um eine Stadt, sondern um eine “Kulturregion” handelt – denn 2010 darf sich das ganze Ruhrgebiet mit dem Namen schmücken. In der kommenden Woche gibt es hier Einblicke in ein Projekt, das nicht unumstritten ist. Nicht mal bei denen, die es mit Leben füllen sollen.

Von Christian Jakubetz

Klischee oder Realität? Straßenszene in Bochum. (Foto: Christian Jaku

Klischee oder Realität? Straßenszene in Bochum (Foto: Christian Jakubetz)

Erst einmal zu den nackten Fakten: “Durch diese Veranstaltung, für die von der Gemeinschaft Fördermittel zur Verfügung gestellt wurden, sollten der europäischen Öffentlichkeit besondere kulturelle Aspekte der Stadt, der Region oder des betreffenden Landes zugänglich gemacht werden.” So beschreibt die Wikipedia den Sinn und Zweck der ganzen Sache. Es ist also per Definition nichts Ungewöhnliches auch mal eine ganze Region zur “Stadt” zu erklären.

Im Fall des Ruhrgebiets war (und ist) es dennoch einer Diskussion wert: Begreift sich der “Pott” überhaupt als eine gemeinsame Region? Mit einer gemeinsamen Identität und einer gemeinsamen Kultur? Oder sind Gelsenkirchen, Bochum, Essen, Dortmund und all die anderen nicht doch einfach viele mittelgroße Städte, die zufällig in einer Ecke liegen und die durch Kohle, Stahl und überhaupt das Wirtschaftswunder groß geworden sind? Darüber ist im Vorfeld dieses Jahres viel geredet worden und mancher fragt sich: Was hat Duisburg mit Dortmund zu tun?

Gleichzeitig ist das Ruhrgebiet eine der spannendsten Regionen im ganzen Land. Fast nirgends geht der Strukturwandel so radikal über die Bühne wie hier. Mit Stahl und Kohle haben die Städte an Rhein und Ruhr heute nur wenig zu tun. Die Bäche sind keine traurig-schmutzigen Rinnsale mehr und der Himmel über Dortmund ist heute genauso blau wie über München. Man wird im “Revier” nicht müde, dies immer wieder zu betonen. Ein Imagewechsel aber dauert mindestens genauso lang wie die Renaturierung eines im Wirtschaftswunder vergewaltigten Flusses.

Womit man schnell beim Thema Kultur wäre: Kultur und Ruhrgebiet, das schien bis vor wenigen Jahren noch der perfekte Widerspruch zu sein. Wenn man schon Klischees bedienen wollte, dann auch dieses: Im Ruhrgebiet gibt´s Pils und Currywurst und Wolfgang Petry, bestenfalls noch den Booooochum-schmetternden Herbert Grönemeyer. Dass es im Ruhrgebiet eine überaus vitale Kultur gibt, dass sich im Schatten der Zechen und Industriedenkmäler längst auch anderes herausgebildet hat, dass können und wollen die vielen Veranstaltungen im Rahmen dieses Jahres belegen.

Diese Seite hier wird das für einen verhältnismäßig kurzen Zeitraum begleiten. 10 Tage sind Stipendiaten der Journalisten-Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung im “Revier” unterwegs. Die Ergebnisse ihrer Arbeit können Sie hier jeden Tag nachlesen. Aber was heißt schon “lesen” in einem multimedialen Zeitalter? Natürlich wird es hier auch einiges zu Sehen und zu Hören geben. Videos. Audios. Animationen. Alles aber immer zu einem Thema: Kultur und Ruhr(gebiet).

Auf dass es danach vielleicht ein paar Klischees weniger gibt.

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