Klimt neben Kaugummi: Kunst in der Bude

31. Juli 2010 | Von vzimmermann | Kategorie: Was ist

Designkiosk Ruhr.2010 heißt das Projekt der Kulturhauptstadt, das typische Buden im Ruhrgebiet in Verkaufsstandorte für 30 Designobjekte verwandelt: 100 Tage lang, vom 2. Mai bis zum 1. August 2010, läuft die ungewöhnliche Kunstaktion. Zu kaufen gibt es Praktisches, Lustiges oder einfach nur Kurioses von Designern aus ganz Europa und der Region, zum Beispiel ein „Markier dein Revier“-Lesezeichen in Form eines pinkelnden Hundes, eine USB-Vase für den Laptop oder Pottlappen aus alten Grubenhandtüchern. In kleinen, roten Schachteln warten die Objekte auf ihre Käufer – und liegen dabei neben Zigaretten, Süßigkeiten und Zeitschriften.

In roten Boxen werden die Designerstücke verkauft (Foto: Verena Zimmermann)

In roten Boxen werden die Designerstücke verkauft (Foto: Verena Zimmermann)

Kunsthandwerk stärken

Entstanden ist das Projekt aus dem Bochumer Designpreis, der seit 1997 hochwertige Gebrauchsgegenstände auszeichnet. Der BochumDesign e.V. hat mit Unterstützung der Stadt Bochum und dem Kreis Recklinghausen in einer europaweiten Ausschreibung aus 325 Bewerbungen die besten 30 Design-Ideen ausgewählt. Die Kriterien dabei: verschiedene Designrichtungen und unterschiedliche Produktionswege. „Wir wollen mit dem Projekt den Bereich Kunsthandwerk als Teil der Kreativwirtschaft stärken, weil dieser Zweig im Ruhrgebiet durch die vielen kleinen Handwerksbetriebe wichtig ist“, sagt Guido Röcken, Kultur- und Projektmanager und einer der Projektautoren.

Nichts von der Stange

Nach dem Zufallsprinzip wird ausgewählt, welche Objekte wann und an welchem der 30 Kioske verkauft werden. Mit einem Preis von unter 20 Euro sind die Designerstücke erschwinglich. Zu kaufen gibt es sie auch über den Online-Shop des Designkiosk-Projekts. „Das Verkaufskonzept ist voll aufgegangen“, findet Röcken. Die Kauflust der Kiosk-Kunden war teilweise so groß, dass die Nachfrage das Angebot überstieg. „Die Produkte waren wegen der Nachfrage nicht immer verfügbar. Immerhin sind die Stücke größtenteils Handarbeiten, und ein Designer kann nur eine bestimmte Menge herstellen.“ Dass sei aber beabsichtigt gewesen. „Wir wollten die Menschen zum Nachdenken anregen und das Konzept der ständigen Verfügbarkeit von Alltagswaren in Frage stellen. Die Designobjekte sind hochwertige Produkte mit Geschichte, auf die sich das Warten lohnt“, erklärt Röcken. Trotzdem war ein ständiger Dialog mit den Kiosk-Besitzern und Käufern nötig, um zu erklären, warum die Kunststücke manchmal nicht verfügbar waren. „Viele Besucher haben die Designkioske leider als Merchandise-Shops für das Ruhrgebiet missverstanden. Daher haben sich die Designobjekte, bei denen der Bezug zum Ruhrgebiet auf den ersten Blick klar ist, besonders gut verkauft, wie z.B. die Pottlappen oder der Schmuck aus Eierkohle. Andere Objekte mit abstrakten Konzepten wurden oft nicht verstanden, denn ein Kiosk ist ja doch eher ein Ort der schnellen Waren“, sagt Röcken.

Es gibt 30 verschiedene Designobjekte zu kaufen

Es gibt 30 verschiedene Designobjekte zu kaufen (Foto: Verena Zimmermann)

Netzwerk für Kunsthandwerk

Bei den Designkiosken geht es um mehr als das Verkaufen: Sie sollen ein Netzwerk für Designer und Kunsthandwerker bilden. Damit diese Idee funktioniert, wurden Designkiosk-Dialoge mit Fachleuten aus der Kreativbranche veranstaltet. Die Kioske befinden sich zum Teil in Gegenden, in denen auch Künstler und Produktdesigner arbeiten. Die Projektautoren hoffen, dass die Kioske auf die versteckte Kreativbranche in ihrem Bezirk aufmerksam machen. An manchen Kiosken können Kunden daher Klappräder ausleihen, um die Umgebung genauer zu erkunden.

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