Hereinspaziert: So lebt das Ruhrgebiet

29. Juli 2010 | Von vzimmermann | Kategorie: Was ist

Wie wohnt es sich eigentlich im Ruhrgebiet? Dieser Frage geht das Projekt “Route der Wohnkultur” nach, das Besucher zu wichtigen Gebäuden und Siedlungen der Region führen will. In Essen, Duisburg, Oberhausen, Bochum und Dortmund werden in diesem Jahr Bustouren angeboten, um Wohnorte (neu) zu entdecken. Man kann die Route aber auch auf eigene Faust erkunden: Mit Infokarten, Katalogen und Spielplänen.

Von Verena Zimmermann

Lars Niemann zeigt, wie man die Route selbst erkundet (Foto: Verena Zimmermann)

Lars Niemann zeigt, wie man die Route selbst erkundet (Foto: Verena Zimmermann)

Von Geschichte bis Moderne

Die Margarethenhöhe in Essen, die Drachenbauten in Duisburg oder der Tossehof in Gelsenkirchen: Sie wecken die Neugier der Besucher. Die Route der Wohnkultur soll helfen, diese Adressen zu erkunden. Die Wohnorte wurden dafür in vier Kategorien eingeteilt: Siedlung, Geschichte und Moderne, Urbanität und Demografie. Die Dinnendahlsche Fabrik in Essen steht beispielsweise für den Wandel von Geschichte zu Moderne, weil das ehemalige Industriegebäude jetzt Loftwohnungen beherbergt. Das Betreuungszentrum auf Zollverein gehört zur Kategorie Demografie, weil es zeigt, welche Wohnmöglichkeiten es im Alter gibt.

58 Wohnungen

Entstanden ist das Projekt bereits vor vier Jahren, 2008 begann dann die Objektauswahl. In den Entscheidungsprozess waren neben Stadtplanern, Architekten und Wohnungsunternehmen auch Denkmalpfleger, das Ministerium für Bauen und Verkehr NRW, die RUHR.2010 GmbH, die Landesinitiative StadtBauKultur NRW und die einzelnen Kommunen eingebunden. Aus 400 Wohnungen wurden am Ende die interessantesten 58 ausgewählt. Anfang 2010 wurde die Route dann eröffnet. „Wichtig ist uns, dass es bei der Route der Wohnkultur nicht darum geht, Architektur zu bewundern“, sagt Lars Niemann, einer der Projektinitiatoren vom Büro Stadtidee. „Wir möchten die Wohn- und Alltagskultur des Ruhrgebiets vermitteln – für Gäste, aber auch für die Bewohner der Region selbst.“

Ruhrgebiet als Pilotregion

Das Ruhrgebiet sei besonders spannend, weil hier nicht nur Architektur, sondern auch zwischenmenschliche und gesellschaftliche Aspekte des Wohnens im Vordergrund stünden: „Die Region hat eine herausragende Wohnkultur, da hier in der Vergangenheit Wohnen und Arbeiten sehr eng vernetzt waren, zum Beispiel in den Zechensiedlungen”, sagt Niemann.

Sommer der Wohnkultur

Im Spätsommer 2010 von August bis Oktober dürfen die Besucher auch Wohnungen von innen besichtigen. Der Höhepunkt ist dann der Tag der Wohnkultur am 19. September 2010, an dem alle 58 Objekte ihre Türen für Besucher öffnen werden. „Die meisten Bewohner empfinden es als Auszeichnung, dass ihre Siedlung, Wohnung oder ihr Gebäude als Standort für die Route der Wohnkultur ausgewählt wurde. Manche Menschen wussten im Vorfeld gar nicht, in was für einem außergewöhnlichen Wohnobjekt sie eigentlich leben.“

Margarethenhöhe

Die Route führt auch zur Margarethenhöhe in Essen. Zur Hochzeit ihrer Tochter Bertha gründete Margarethe Krupp im Jahr 1906 die „Margarethe-Krupp-Stiftung für Wohnungsfürsorge“. Ein 50 Hektar großes Siedlungsgelände und eine Million Mark bildeten den Grundstein für den Bau der Gartenstadt. Schon damals galt das Wohngebiet als anspruchsvolle Arbeiter-Siedlung. Daniel Basse wohnt seit 2002 im Ginsterweg. Ihn reizt vor allem das Ambiente, wie er im Interview erklärt.

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