Liveticker: Jugendkulturfestival mit Trauerflor

31. Juli 2010 | Von rrauch | Kategorie: Was ist

KULTruhr hat das Jugendkulturfestival in Mülheim an der Ruhr live begleitet.

Von Raphael Rauch

17.00 Uhr: Wolfgang Heitzer, in Oberhausen zuständig für die Städtepartnerschaften, findet die Stimmung auf dem Jugendfestival großartig. “Wir haben die tragischen Ereignisse berücksichtigt, das Programm komprimiert und gedenken der Opfer.” Besonders freut sich Heitzer darüber, dass auf der diesjährigen Jugendbegegnung zwei neue Länder vertreten sind — so sind dieses Mal auch Franzosen und Chinesen dabei.

16.45 Uhr: Omega Awlime, 38, kommt zu spät zu seinem Capoeira-Auftritt – er wusste nicht, dass die A40 voll gesperrt ist. Omega ist hauptberuflicher Tänzer und Schauspieler und hat für die Jugendbegegnung einen Capoeira-Workshop in Oberhausen übernommen. “Das Besondere an unserem Workshop war, dass wir nicht nur Capoeira gemacht, sondern Capoeira mit Hip Hop gemischt haben”, sagt Omega, der zehn Mädchen aus Estland, Russland und der Ukraine in die Künste des brasilianischen Kampftanzes eingeführt hat. “Es hat super viel Spaß gemacht und ich habe gehört, dass sich die Mädels auf der Bühne auch ohne Trainer super geschlagen haben.” Nächsten Freitag, wenn die Jugendbegegnung zu Ende geht, will Omega seinen Schützlingen aber unbedingt zuschauen: “Ich werde in jedem Fall dabei sein und nicht zu spät kommen.”

Gemütliche Atmosphäre (Foto: Raphael Rauch)

Gemütliche Atmosphäre (Foto: Raphael Rauch)

16.25 Uhr: Die Jugendlichen lassen sich trotz des abgespeckten Programms die Laune nicht verderben. Es herrscht keine ausgelassene, aber eine fröhliche Stimmung auf dem Jugendkulturfestival. Draußen haben sich Grüppchen zum Ball spielen gebildet, manche sonnen sich auf der Wiese.

16.15 Uhr: Auch die ausländischen Gäste zeigen Verständnis für die Programmänderungen aufgrund der tragischen Ereignisse auf der Loveparade. “Natürlich wäre es für die Jugendlichen schöner, wenn es ein ausgelassenes Festival geworden wäre, aber angesichts der Umstände wäre das pietätlos”, sagt Anne aus Middlesbrough, England. “Als wir in den Flieger gestiegen sind war uns klar, dass Deutschland unter Schock steht. Unsere Gedanken sind bei den Opfern und ihren Familien.”

16.00 Uhr: Ein Kondolenzbuch liegt auf dem Jugendkulturfestival aus: “Die Bestürzung über die Tragödie in Duisburg hält an. Wir hatten uns ein fröhliches und friedliches Fest junger Menschen vorgestellt. Es ist anders gekommen. Die Katastrophe, der so viele junge Menschen zum Opfer gefallen sind, legt sich wie ein schwerer Schatten auf die Kulturhauptstadt. Unser Mitgefühl gilt den Angehörigen und allen, die durch das schreckliche Unglück körperliche und seelische Schäden davongetragen haben. Im Mittelpunkt des Denkens, Handelns und Fühlens steht jetzt das Schicksal der Familien der Angehörigen und Verletzten.” Allerdings hat sich noch niemand in das Kondolenzbuch eingetragen.

15.50 Uhr: Holger Bergmann, Kulturhauptstadtbeauftragter der Stadt Mülheim, meldet knapp tausend Besucher auf dem Jugendkulturfestival. “In der Halle sind 400 Besucher, 250 sind im Saal, 200 sind auf dem Außengelände: Das ist eine äußerst positive Bilanz.” Besonders freut Bergmann, dass sich in den letzten Tagen die Verantwortlichen aus der Städtepartnerschaft gut ausgetauscht und vernetzt hätten. “Vor einem Jahr haben wir uns alle noch gesietzt, jetzt sind wir beim Du”, sagt Bergmann.

15.30 Uhr: Kelly, 18, aus Mülheim findet die Jugendbegegnung wunderbar: “Es ist toll, dass man so viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern kennen lernt.” Kellys Familie hat für die Kulturwoche zwei Jugendliche aus Russland aufgenommen. Das Festival fällt aufgrund der tragischen Ereignisse auf der Loveparade nicht so fröhlich aus — das findet Kelly angemessen: “20 Tote sind schon sehr schlimm.” Allerdings möchte sie den ausländischen Gästen auch nicht den Spaß verderben: “Sie sind extra von weit weg angereist, um Deutschland kennen zu lernen.”

15.00 Uhr: Von Trauerstimmung ist im Saal des Ringlokschuppens nichts zu spüren. Viele Jugendliche haben sich artistische Übungen ausgedacht und entführen die Zuschauer in eine Varieté-Show mit akrobatischen Szenen, die profesionelle Züge haben. Es gibt kräftigen Beifall.

14.30 Uhr: Mit einer Schweigeminute gedenken die Besucher des Jugendkulturfestivals der Opfer der Loveparade. Oliver Scheytt, Geschäftsführer der RUHR.2010 GmbH, kommt direkt von der zentralen Trauerfeier in Duisburg nach Mülheim und spricht zu den Jugendlichen. WDR- und VIVA-Moderatorin Johanna Klum war selbst auf der Loveparade und schildert ihre Eindrücke von der Tragödie.

Jugendliche aus Finnland (Foto: Raphael Rauch)

Jugendliche aus Finnland (Foto: Raphael Rauch)

14.15 Uhr: Die zentrale Trauerfeier in Duisburg für die Opfer der Loveparade drückt auf die Stimmung: Das Jugendfestival in Mülheim findet mit Trauerflor statt. Aus Respekt vor den Opfern haben sich die Veranstalter entschlossen, auf klassischen Festivalcharakter zu verzichten. Das Freiluft-Rahmenprogramm ist abgesagt, die jungen Leute zeigen nur künstlerische Darbietungen. Auch die geplante große Abschiedsparty um 22 Uhr entfällt.

14.00 Uhr: Das Jugendkulturfestival “Varieté de la Vie” beginnt in Mülheim an der Ruhr. Rund 400 Jugendliche aus Bottrop, Dinslaken, Duisburg, Essen, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen und 27 europäischen  Partnerstädten werden erwartet. Sie präsentieren im Ringlokschuppen Mülheim und im  angrenzenden MüGa-Park künstlerische Darbietungen. Mit dabei ist Johanna Klum, VIVA- und WDR-Moderatorin, die durch das bunte Programm führt.

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