POTTrait des Tages: Thomas Grosse

31. Juli 2010 | Von awitzel | Kategorie: Was bleibt

POTTrait des Tages - Thomas GrosseName: Thomas Grosse
Jahrgang: 1958, geboren in Duisburg
Künstlerische Betätigung: Clubbesitzer
Lieblingsort im Ruhrgebiet: die Gebiete zwischen den einzelnen Städten, denn die liegen im Grünen

Von den Pfeilern bröckelt der Putz, an den Wänden hängen alte Sicherheitsbestimmungen mit Rostflecken von 1936 und in der Ecke steht eine Bar, die von schiefen, zerfressenen Rohren gestützt wird. Die Kulturkantine in Dinslaken, kurz KuKa, ist keine normale Disko. Heute wird hier gerockt, früher haben sich die Stahlarbeiter den Schweiß vom Leib gewaschen. Für Besitzer Thomas Grosse ist die KuKa seit fünf Jahren sein „Baby“.

POTTrait des Tages - Thomas Grosse

Grosse findet es „ne gute Entscheidung“, dass die Vergangenheit der KuKa erhalten bleibt und nicht alles neu saniert wird. Sogar die Bodenfliesen auf der Toilette sind noch aus der „alten Zeit“ und die meisten der Stammgäste wissen laut Grosse auch ganz genau, „dass sie hier auf einem alten Duschgelände abrocken.“

Das besondere Industrie-Flair der ehemaligen Kaue kommt bei den Jugendlichen gut an, sagt Thomas Grosse. Mitten im Industriegebiet könne man schließlich so laut sein wie man möchte und störe keinen. „Es gibt kaum etwas Vergleichbares hier in der Gegend“, sagt der Besitzer, der selbst seit langem in einer Rockband spielt und deswegen auch „nah an der Jugend dran“ ist. „Ich warte drauf, dass mir jemand die KuKa kopiert“, sagt Grosse und lacht.

Für den Rock-Fan Grosse ist es wichtig, dass die Jugend gefördert wird – darum bietet er neben Band-Probenräumen auch Nachwuchsbands die Chance, live in der KuKa aufzutreten. Sogar Größen wie die Kilians haben schon bei ihm geprobt. Er ist auch jedes Wochenende bis in die frühen Morgenstunden dabei, wenn die Bässe wummern und die Gitarren kreischen. „Aber bei Techno und House geh ich lieber nach nebenan“, gibt Grosse zu.

Ein klares „Nee!“ gibt Grosse auf die Frage, ob von den „dicken Veranstaltungen dieses Ruhr 2010-Spektakels“ etwas Nachhaltiges übrig bleibt. Vor allem die Jugendlichen würden seiner Meinung nach sehr vernachlässigt. „Es bringt ja nichts, wenn man dreißig Opernabende organisiert und im Hintergrund stehen 50.000 junge Leute, die das überhaupt nicht interessiert“, sagt er. Zweifellos hat er es geschafft, mit der KuKa eine kulturelle Lücke zu schließen – ganz ohne Kulturhauptstadtlogo.

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Audio: Jasmin Off
Text und Fotos: Annika Witzel

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