Stumme Zeugen – starke Wirkung

1. August 2010 | Von losteneck | Kategorie: Was bleibt

Das Ruhrgebiet ist voller Geschichte: Industrieanlagen, Wohnviertel und Kulturbauten zeugen von längst vergangenen Zeiten. Doch wer nicht aus der Region stammt, läuft oft achtlos an ihnen vorbei. Vier Einheimische erzählen deshalb, was sie persönlich mit den architektonischen Zeitzeugen verbindet und warum diese einen zweiten Blick wert sind.

Von Charlotte Potts und Lasse Osteneck

Das "U" ist das Wahrzeichen Dortmunds (Foto: Lasse Osteneck)

Das "U" ist das Wahrzeichen Dortmunds (Foto: Lasse Osteneck)

Das Dortmunder U

Früher Brauerei, heute Kulturzentrum: Gleich neben dem Dortmunder Hauptbahnhof glitzert das goldene “U” in der Innenstadt. 1926 baute die Union-Brauerei dieses erste Hochhaus in Dortmund und nutzte es als Gär- und Lagerstätte für ihr Bier. Erst über vierzig Jahre später kam das Firmenzeichen des Hauses aufs Dach, was später auch zum Wahrzeichen der Stadt Dortmund werden sollte: Das neun Meter hohe “U”. Im Mai 2010 wurde das “U” als Kulturzentrum, Ausstellungs- und Museumsstandort eröffnet. Weite Teile des Gebäudes sind momentan noch eine Baustelle. Das Gebäude soll im Oktober 2010 fertiggestellt werden.

Gerhard Droste über sein Leben mit dem Dortmunder U

Der größte Gastank Europas (Foto: Lasse Osteneck)

Der größte Gastank Europas (Foto: Lasse Osteneck)

Der Gasometer in Oberhausen

Der Gasometer in Oberhausen ist ein Ort des Wandels: Wo früher Abfallprodukte verbrannt wurden, finden heute Theateraufführungen, Konzerte und Ausstellungen statt. In den 20er Jahren wurde der Gasometer errichtet, um verschiedene Gase zu speichern. Mit 117 Metern Höhe war er der größte Gasbehälter Europas. Bei Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs wurde der Gasometer so stark zerstört, dass er 1945 stillgelegt werden musste. Während der darauffolgenden Reparaturarbeiten geriet das Gebäude in Brand und musste deshalb bis aufs Fundament abgebaut werden. Erst 1948 ging es wieder in Betrieb – für knapp 40 Jahre. 1988 wurde der Gasometer dann endgültig stillgelegt. Nach einem großflächigen Umbau sind schließlich Kultur und Kunst in das ehemalige Industriegebäude eingezogen. Besonders sehenswert ist neben den Veranstaltungen auch die Aussichtsplattform auf dem Dach des Gebäudes. Von dort haben Besucher einen weitläufigen Blick über die Stadt Oberhausen und das gesamte Ruhrgebiet.

Kunst und Kult – Eva Sorgenfrei zum Gasometer

Gesponsert von Margarethe Krupp: das Gasthaus (Foto: Lasse Osteneck)

Gesponsert von Margarethe Krupp: das Gasthaus (Foto: Lasse Osteneck)

Die Margarethenhöhe in Essen

Sie war die erste deutsche Gartenstadt und liegt mitten im industriellen Ruhrgebiet: Die Margarethenhöhe gilt als gutes Beispiel für menschenfreundliches Wohnen und ist umringt von Wald im Essener Süden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die schwerbeschädigte Siedlung in ihrer historischen Form wiederhergestellt. Heute steht die Margarethenhöhe unter Denkmalschutz. Eine vom Essener Ruhrlandmuseum eingerichtete Musterwohnung zeigt dem Besucher die ursprüngliche Gestaltung der Wohneinheiten.

Ein bisschen wie im Kommunismus: Daniel Basse über das Leben auf der Margarethenhöhe

Domizil für Kulturliebhaber (Foto: Lasse Osteneck)
Domizil für Kulturliebhaber (Foto: Lasse Osteneck)

Die Jahrhunderthalle in Bochum

Als Domizil für Kulturliebhaber zieht die Jahrhunderthalle in Bochum jährlich tausende Besucher an. Die Halle wurde 1902 vom Bochumer Verein für die Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung gebaut und anschließend als Gebläsemaschinenhalle für die Hochöfen des Bochumer Vereins weiter verwendet. Die Stahlkonstruktion des Gebäudeteils von 1902 ist besonders bemerkenswert, weil sie nicht in erster Linie nach ästhetischen Gesichtspunkten, sondern eher nach ingenieurtechnischen Überlegungen entworfen wurde und damit eines der ersten Beispiele für eine rein zweckbestimmte Architektur darstellt. Seit 2005 wird in der Jahrhunderthalle jährlich der Steiger Award verliehen, seit 2006 die 1Live Krone.

Eine Kathedrale der Kunst: Maria Grychnik-Zbronski über die Jahrhunderthalle

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